Samstag, 6. Februar 2010

Böse Träume

Wir erfahren eine Verdichtung des Themas "entsorgt mich"von der schaurigen, und unaussprechlichen Art, die Geschichte holt uns ein , will erfahren und ebenfalls rückgeführt werden, in Form einer schwarzgekleideten Botin holt sie uns ab zu einem Rundgang im Vernichtungslager von Kaunas, in dem 30 000 Menschen zwischen 1941 und 1943 entsorgt wurden.
Aber von Anfang an...
Freitag, der 5.02.2010, 8 Uhr, Besuch bei Gina, kennt Ihr schon.Dann:
Nach einem Begrüßungstee mit Indre, unserer Dolmetscherin, starten wir nach Kaunas.
das Auto will nicht aus der Einfahrt, Papa Guesthouse schüttelt den Renovierungsstaub ab und chauffiert uns raus. Er und sein Sohn winken uns lachend hinterher.
Mir hängt noch dieser Traum nach, dass wir nach Kaunas fahren und auf einem Parkplatz lauter Leichen aus unserem Kofferraum holen.
An den Rauhreifwäldern kann ich mich nicht sattsehen.
Sagt mir Sophie und ich filme wieder. Filme alles, unseren litauischen Traum. Ich verkrampfe mich dabei und werde doch die Kamerafrau, filme Elektrobusse und verschneite Landschaft, Reklameschilder und uns. Dann sind wir in Kaunas und fragen an Bushaltestellen und Kiosks, wir fragen Litauerinnen, die Pelzmützen und Ray Ban tragen, Indre chauffiert uns zu Audrone, der Chefin von Omnitexas.
Später nehme ich mir vor von Audrone zu träumen, ich möchte diese Frau sein, diese undurchdringliche Businessperson mit dem Pokerface und der Statuenfigur, die uns von Anfang an durchschaut. Ihre Marketingmanagerin meint, ihre Näherinnen würden uns umbringen, wenn wir nicht so nett wären. Das wollen wir mal sehen und das dürfen wir auch, wir sehen die Produktionstätten und ein weißes Shirt, mit Nadeln zusammengesteckt, wird durch die Förderbänder der Produktion geschleust. Es sieht sehr unschuldig aus zwischen all den identischen, schwarzen Teilen. Die Näherinnen befühlen das Nadelhemd, schütteln den Kopf, lachen. Viel zu kompliziert.
Bei manchen Fragen von Audrone verschlägt es mir die Sprache. Wieviel Teile wollen wir produzieren lassen? Ich blicke hilfesuchend zu Angelika. 2000, sagt sie. Wieviel Budget wir haben? Hilfe! Susanne lässt ihre Kamera sinken und erwidert Audrones Adlerauge. Well, we wait for your offer.

An jedem Ort befinde ich mich auf ähnlich ungesichertem Grund. In den Fabriken wegen der wirtschaftseigenen Verhaltensregeln, ja nicht alles hervorkommen lassen, schon gar nicht die Ziele. Und um das Mahnmal an die Judenermordungen in Kaunas wegen des windgepressten Schnees. Viele Schritte halten, manchmal breche ich ein und ziehe meine Füsse mühsam aus dem Tiefschnee, auch aus Angst frieren zu müssen. Hier unter den Riesenfängen von hilfeschreienden Armen aus abervielen, aneinander gepressten Betonplatten. In den schmucklosen Fabrikeingängen mit den Mutmaßungen auf sich gestellt, was unser Ansinnen auslösen wird - weit und breit keine Lobby (wenn überhaupt nur im Kopf). Wir halten und bleiben in Balance. Unsicher zwar, jedoch mit vielen Ergebnissen und Erkenntnissen.

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